QR-Codes offline nutzen – Wenn das Schul-WLAN streikt

Meine Schule ist eigentlich recht luxuriös ausgestattet was die digitale Infrastruktur angeht. Seit geraumer Zeit besteht vor allem die Möglichkeit, Schülern per Freischaltcode Zugriff aufs WLAN und damit aufs Internet zu geben. In meinem Musikunterricht spielt das eine große Rolle, denn ich nutze sehr intensiv die Möglichkeit, Hörbeispiele und Videobeispiele für den Unterricht hinter QR-Codes zu verlinken und meinen SuS so die Materialien über ihre eigenen Endgeräte zur Verfügung zu stellen.

Hier zum Beispiel der QR-Code zu einem kurzen Videoausschnitt, den ich im Unterricht der Oberstufe verwendet habe:

https://www.herrdorok.de/unterricht/filmmusik/hoeranalyse.mp4

Der Code verweist auf eine Videodatei, die hier auf meinem Server gespeichert ist. Soweit, so gut – QR-Codes haben meinen Unterricht in den letzten Monaten wenn nicht gar Jahren sehr unterstützt.

Das Problem

Leider ist es so, dass die Internetanbindung meiner Schule nicht besonders schnell ist und der Umstand, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen von der Möglichkeit Gebrauch machen, Schülerinnen und Schülern den Zugang zum WLAN zu ermöglichen, hat dazu geführt, dass teilweise 800 und mehr Geräte gleichzeitig online waren – der Datendurchsatz für den einzelnen wurde so gering, dass sinnvolles Arbeiten nicht mehr möglich war.

Also entschlossen sich die Informatiker an meiner Schule, den freien Zugang zum WLAN für Schüler bis auf weiteres zu deaktivieren. Da ich meinen Schülerinnen und Schülern aber nicht zumuten wollte, fortan ihr eigenes Datenvolumen zu nutzen, um Unterrichtsmaterialien abzurufen (mit Datenvolumen ist es 2020 so wie Anfang der 2000er mit Druckerpatronen: Immer wenn sie für die Schule zum Einsatz kommen sollen sind sie leer…), ich aber auch nicht zurück zum Vorspielen von Audio- und Videomaterial zentral vom Pult aus wollte, musste eine Lösung her.

Die Lösung – Mobiler Fileserver

Die Lösung der Probleme war allerdings recht schnell gefunden – und lag eigentlich schon die ganze Zeit in einer Schublade. Denn vor geraumer Zeit, als iPads und iPhones noch nicht im Ansatz daran dachten, Dateien von USB-Sticks entgegen zu nehmen, hatte ich mir bereits einen mobilen “FileHub” der Firma “RAVpower” zugelegt. Ein etwa handgroßes Gerät, das folgendes in sich vereint:

  • WIFI-Hotspot
  • SD-Kartenleser
  • USB-Anschluss
  • eingebauter Akku
  • kann als mobile Ladestation genutzt werden

Die ersten beiden Eigenschaften sind die, die mein Problem nun gelöst haben. Ich habe die Video- und Audiodateien auf eine SD-Karte kopiert, die Karte in den FileHub gesteckt und das WLAN, das der FileHub öffnet mit einem leicht zu merkenden Passwort à la “1234567890” versehen. Zu Hause habe ich meinen Computer mit dem FileHub verbunden und neue QR-Codes generiert, dieses Mal nicht mit Links auf meinen Webserver, sondern mit Links direkt auf den FileHub, also mit Adressen wie:

http://10.10.10.254/data/UsbDisk1/Volume1/fdk.mp4
Das Ergebnis – Zugriff auf alle Medien ohne Internet

In meinem Oberstufenkurs hat das ganz wunderbar funktioniert: Ich lege den FileHub vorne aufs Pult und schalte ihn ein. Die Schülerinnen und Schüler verbinden ihre Smartphones mit dem WLAN des FileHubs (Achtung: Die Smartphones meckern dann und weisen darauf hin, dass sie zwar eine Netzwerk- aber keine Internetverbindung haben – das wissen wir uns das soll ja auch genau so sein, es verwirrt Schüler aber gerne) und können dann die QR-Codes nutzen um Dateien direkt vom FileHub zu laden, ohne den Flaschenhals “Schulinternet” dazwischen zu haben. Mit 15 gleichzeitigen Abrufen von Videodateien hat das problemlos geklappt und wird für mich wahrscheinlich dauerhaft eine Lösung bleiben, denn:

  • ich lagere nicht mehr gigabyteweise Audio- und Videodateien im Internet
  • ich bin vollkommen unabhängig vom Netz der Schule

Meine Entdeckung des Jahres 2020 (abgesehen vom eigenen Jitsi-Server für Videokonferenzen mit meinen Schülerinnen und Schülern): Ein eigener, mobiler Fileserver.

Nachtrag: Alternativen

Aktuell scheint es nicht so leicht zu sein, den RAVpower Filehub in Deutschland zu bekommen – bei eBay gibt es ihn gebraucht. Alternativen mit ähnlichem Umfang scheinen diese Geräte zu sein:

QR-Codes offline nutzen – Wenn das Schul-WLAN streikt
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