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Enttäuschung elektronisches Schulbuch

Im nächsten Schuljahr darf ich – das erste Mal seit einigen Jahren – wieder Englisch unterrichten. In der Oberstufe. Meine Schule setzt dafür ein Buch eines großen deutschen Verlages ein. Also habe ich mir – wie sonst auch immer – zunächst einmal das Schülerbuch in der Lehrerausgabe für 24,50 Euro bestellt. Das war vor vier Wochen. Als ich das Buch öffnete, war ich hoch erfreut, war doch im Buch ein Code vorhanden, mit welchem ich das Buch als eBook auf der zugehörigen Plattform freischalten können sollte. Toll – es gibt sogar eine iPad-App dazu, das kommt meinem Plan, im nächsten Schuljahr in Seminar und Schule wann immer es geht nur noch mit dem iPad aufzulaufen, sehr entgegen.

Kostenloses Ebook? Ist nicht!

Also schnell auf der Seite registriert und den Freischaltcode des Buches eingegeben. Fehlermeldung. Der Code sei abgelaufen. Wieso denn das? Ich hab das Buch doch gerade erst gekauft? Ein Anruf bei der Hotline bringt Klärung: Ja, das sei ein altes Buch, seit Januar 2017 könne man das eBook nicht mehr kostenlos freischalten, das müsse man extra kaufen. Aha. Soso. Gesagt, getan. Das eBook kostet dann noch einmal 12,- Euro. Auf der Verlagswebseite steht übrigens, dass ich für die 12,- Euro eine Ein-Jahreslizenz erwerbe, während der Supportmitarbeiter am Telefon meint “Nein, nein, Lehrerbücher verfallen nicht nach einem Jahr”. Na was denn nun? Schaunmermal, würde ich sagen, ob ich das Buch im September 2018 auch noch nutzen kann. Wie dem auch sei, der Freischaltcode kommt sofort, auf der Webseite eingetragen habe ich direkt Zugriff auf das eBook:

Die Webversion ist gar nicht sooooo schlecht

Schön gemacht – man kann zwischen der Lehrerausgabe und der Schülerausgabe hin- und her wechseln, so sehe ich, was bei den SuS im Buch steht und was nur bei mir. Auch schön: An vielen Stellen gibt es Markierungen im Buch, die anklickbar sind. Sie verweisen auf weiteres Material – Seiten aus dem Lehrerhandbuch oder Hörtexte oder Videos. Leider muss man die noch einmal extra kaufen. Für 40,- Euro. Naja. Mach ich mal, schließlich brauche ich die Sachen. Hörverstehen will ja als eine von vielen Kompetenzen im Englischunterricht gelehrt werden und das geht nun einmal schlecht, wenn man keine Audio-Dateien (oder CDs) hat. (Das Lehrerhandbuch hatte ich zuvor zwar auch schon in Papierform gekauft, aber egal, das ist mein persönliches Pech, ich hätte ja von Anfang an auf den Zug Digitales Schulbuch setzen können.)

Weitere Links im digitalen Schulbuch verweisen auf “Vorschläge zur Leistungsmessung”, also Klausurtipps und so. Die muss man allerdings für weitere knapp 30,- Euro ebenfalls hinzu kaufen, das spare ich mir jetzt erst einmal. Aber wir behalten im Hinterkopf: Ein elektronisches Lehrwerk mit Arbeitsblättern, Videos und Buch kommt in Summe auf 12,- + 40,- + 30,- = 82,- Euro. Das Workbook ist da allerdings noch nicht mit drin. Das hab ich auch bestellt. Für 11,60 Euro. Das gibt es nicht digital. Macht in Summe für das komplette Material etwas unter 100,- Euro. Aber sei es drum – wenn es mir das Unterrichten erleichtert, dann ist das gut investiertes Geld!

Die iPad App enttäuscht massiv

Dann teste ich das doch jetzt mal auf dem iPad. App installiert, eingeloggt, Buch geöffnet und massiv enttäuscht worden. Auf dem iPad werden in der App lediglich die Buchseiten angezeigt. Als zoombare Grafik. Keine Annotationen. Keine Audiodateien. Keine Zusatzmaterialien. Nichts. Einfach nur eine Grafik. Noch nicht einmal markierbarer Text befindet sich dort. Das ist keinerlei Fortschritt gegenüber dem klassischen Buch.

Nutzung im Browser ist möglich

So ein Mist. Dann muss ich also in Zukunft doch meinen Laptop wieder mit in die Schule nehmen? Denn das digitale Schulbuch wird doch sicher auf Flash basieren und wie wir alle wissen, mag iOS kein Flash?! Nein, immerhin, ich kann die Webseite zum digitalen Englischbuch auch auf dem iPad aufrufen und dort so benutzen wie am PC. Das ist ein bisschen klein, obwohl ich ein iPad Pro besitze, aber naja, es geht. Allerdings merkt man sehr deutlich, dass die Webseite nicht für die Bedienung auf einem Touch-Interface ausgelegt ist. Es hakelt, verspringt und ist einfach zu gedrängt. Doch daran könnte sich bei einer Überarbeitung durch den Verlag noch durchaus etwas ändern.

Fazit

Das digitale Schulbuch hab ich mir anders vorgestellt:

  • alles, was die WebApp kann hätte ich gerne in einer nativen App.
  • anklickbare Hörbeispiele
  • anklickbare Videos
  • gerne auch offline, ist aber kein Muss, das iPad hat ja LTE

Das gibt es so aber offensichtlich (noch) nicht. Auf dem Rechner, im Browser, online ist das, was geboten wird, ganz ok. Man könnte sagen: “Hey, Verlag, Du bist auf dem richtigen Weg”. Aber ich möchte eigentlich keinen Laptop vor mir auf dem Pult haben oder beim Gang durch den Kursraum mit mir herumtragen. Mal abgesehen davon, dass meine Schule – obwohl ziemlich gut ausgestattet – nicht immer und überall WLAN zur Verfügung stellt. Und die Offline-Funktion der App ist wirklich nicht gut.

Ich möchte das alles auf meinem iPad haben. Das kann ich mit mir herumtragen. Das kann ich Schülern in die Hand geben. Davon kann ich Hörtexte ebenso präsentieren wie Videos. Die iPad App von Scook aber ist eine Katastrophe, die einfach nur Druckvorlagen anzeigt. Schade. Denn dann muss ich für Hörbeispiele und/oder Videos ja doch wieder auf CDs und DVDs ausweichen. Oder den Laptop nehmen. Auf den ich gerne verzichten würde.

Mensch, “großer deutscher Verlag”, das hätte echt schön werden können mit Deinem eBook und meinem Unterricht. Aber so geht das leider (noch) nicht. Ich werde nun einfach einmal schauen, ob sich das Arbeiten mit der Webseite auf dem iPad als praktikabel herausstellt. Ich vermute: Nein. Aber vielleicht werde ich eines besseren belehrt. Oder vielleicht kann die App ja bald das, was die Webseite bereits kann?

Falls das jemand liest, der an der richtigen Stelle sitzt:

Wenn ihr das eBook auf dem iPad (und für die KollegInnen mit Android eben für Android) so hinbekommt, wie es in der WebApp schon ist, dann ist fast alles gut. Dann kann ich in Zukunft einfach nur noch mit dem iPad in den Unterricht gehen und ich habe alles dabei, was ich brauche. Und dafür zahle ich dann auch wirklich gerne 100,- Euro. Falls eine funktionierende iPad-App bedeutet, dass sie 120,- Euro kosten muss, weil Apple 20% vom Preis ab haben will – bitte, wenn es funktioniert, dann zahl ich auch das. Ich hab schon so viel Geld für Unterrichtsmaterial in Papierform ausgegeben, da kommt es darauf auch nicht mehr an. Ich bleibe weiterhin gespannt…

Quelle des Beitragsbildes: obs/Cornelsen Schulverlage

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