Mit dem iPad in der Schule | Letzter Versuch
Für dieses Schuljahr habe ich mir noch ein letztes Mal vorgenommen, den Versuch zu starten, das iPad zu meinem zentralen Device im Unterricht zu machen. Bisherige Versuche waren ja häufig gescheitert, unermüdliches Apologetentum von u.a. Felix von EduShift oder auch dem werten Herrn Spang haben mich dann aber doch noch einmal zweifeln lassen: Bin vielleicht doch ICH zu blöd und nicht dieses flunderflache Tablet? Also noch ein Versuch. Wenn es jetzt wieder nicht klappt, dann wird das iPad ein Sofasurf-, Zeitungles-, Spielespiel- und MusikzumSpaßmach-Device bleiben.
Meine Anforderungen
Bisher habe ich meistens meinen Laptop in der Schule dabei gehabt – da es sich dabei um ein MacBook Air handelt, trägt das nun auch nicht gerade auf, aber das iPad ist ja nun noch kleiner, da ließe sich ja dann vielleicht doch noch ein bisschen Platz in der Tasche sparen. Normalerweise gibt es bei mir im Unterricht folgende Anforderungen, die sich in Englisch und Musik nur unwesentlich unterscheiden:
- Schulbuch (EN)
- Workbook (EN)
- Arbeitsblätter für Schüler
- ggf. Lösungsblätter für mich
- Hörbeispiele (MU), Hörtexte (EN)
- Folien, Stifte, etc.
- Notenblätter (MU)
- Kursheft/Klassenbuch
- Möglichkeit, Notizen zur Stunde und zu Leistungsständen der SuS zu machen
- Wörterbuch (EN)
- Unterrichtsverlaufsskizzen
Was das iPad (noch nicht richtig) kann
Was davon kann mir das iPad derzeit bieten, wo hapert es, was läuft schon ganz gut? Gehen wir die Liste doch mal durch:
Schulbuch / Workbook
Beides liegt nicht digital vor, ich werde die beiden Werke auch nicht einscannen, was ja sowieso nicht erlaubt wäre. Davon einmal abgesehen mag ich es zwar durchaus, im Urlaub mittels Kindle ein Buch zu lesen, ich glaube aber nicht, dass irgendein Device jemals das schnelle „Durchblättern auf der Suche nach…“ vernünftig ersetzen wird. Im Englischbuich weiß ich in etwa, wo die Grammatikkapitel sind und ich habe dort so bltzschnell hingeblättert, da ist jede Such- oder Bookmarkfunktion einfach langsamer. Also gehe ich einfach mal davon aus, dass das Englischbuch und das Workbook zunächst weiter analog bleiben werden, was auch ok ist, wie ich finde.
Arbeitsblätter
Die kopiere ich immer schon zu Hause in Klassenstärke, um mir den Ärger am Kopierer in der Schule zu ersparen. Die werden bis auf weiteres auch sicher analog bleiben.
Lösungsblätter
Wenn es sich um von mir selbst erstellte Arbeitsblätter handelt, dann habe ich die in der DropBox, dazu dann, falls nötig, auch die Lösungsblätter. Da kann man eigentlich z.B. mit ReaddleDocs ganz gut drauf zugreifen, zumal die App neuerdings sogar einen DropBox-Sync anbietet und nicht mehr, wie früher, einfach nur die Sachen aus der DropBox lokal abspeichert. Gar nicht schlecht, allerdings so oder so nicht so schnell wie Lösungsblatt-aus-dem-Kursheft-hervorziehen.
Hörbeispiele
Ich habe alle meine Hörbeispiele in meiner iTunes-Bibliothek. Da ich die wiederum mittles iTunes-Match in der Cloud abgelegt habe, kann ich mit dem iPad jederzeit auf alle meine Hörbeispiele zurückgreifen. Das ist an und für sich praktisch, zumal das iPad dank des 3G-Netzes auch dort online gehen kann, wo mein Laptop im Schulgebäude kein WLAN hat.
Folien

Da habe ich leider noch nicht die ideale Lösung für gefunden. Gerade in Musik kommt es häufig vor, dass Takte, Akkorde, Noten innerhalb eines Musikstückes farbig markiert werden
müssen, um Strukturen zu verdeutlichen, Harmonieschemen nach zu verfolgen etc. Es gibt zwar diverse Apps, die das Annotieren von PDFs erlauben, einige davon können auch sogar auf die DropBox zugreifen – doch wenn das Notenblatt/Arbeitsblatt dort gar nicht als PDF sondern als Worddokument vorliegt, dann funktioniert das alles schon wieder hinten und vorne nicht. Schön wäre ja, wenn EINE App alles könnte – denn wenn ich ReaddleDocs verwende, um Doc-Dateien anzuzeigen und PDF Expertum PDFs zu markieren, dann muss ich auch zwei Mal meine DropBox syncen, da das iPad ja leider keine zentrale Datenablage hat, sondern jede App für sich die Dokumente ablegt. Das ist irgendwie dann doch unbefriedigend und die Folie ist dann doch schneller aus dem Kursheft geholt, auf den OHP gelegt und mit verschiedenfarbigen Stiften bearbeitet als so ein digitales Notenblatt.
Notenblätter
Hier gilt eigentlich Identisches wie bei den Folien. Ich gebe normalerweise nicht einfach irgendwelche Notenblätter an die SuS aus, sondern alle meine Arbeits- und Notenblätter haben einen Kopf, aus dem hervor geht, welche Klasse/Kurs, welcher Lehrer, welches Thema, welches Datum. Ergo sind meine Notenblätter auch Word-Dateien. Anzeigen über ReaddleDocs: Ja, bearbeiten über PDF Expert: Nein.
Kursheft/Klassenbuch
Nachdem ich TeacherTool den Rücken gekehrt hatte und aus dem Betatesterteam ausgestiegen war, habe ich mich nach anderen iPhone/iPad-Lehrernotenbüchern umgeschaut und auch gekauft, aber nichts gefunden, das meinen Ansprüchen genügen würde. Entweder waren sie zu hässlich oder zu kompliziert oder beides oder sie konnten wirklich gar nichts oder waren nur auf das amerikanische Schulsystem ausgelegt, was auch immer. Demnach habe ich im letzen Schuljahr Leistungsnotizen auf Zetteln, Sitzplänen, Kurslisten und Excel-Tabellen gemacht. Funktioniert. Irgendwie. Aber schön ist anders. Mit den verfügbaren Lehrerkalendern, seien sie rot und von der Sparkasse oder blau vom Berufsverband oder gelb und DIN A4 von Fremdanbietern – ich komme mit diesen Kladden nicht klar und 90% dessen, was dort an Vordrucken drin ist brauche ich nicht.

Nachdem ich bei einem Kollegen die aktuelle Version von TeacherTool auf dem iPad gesehen habe (und da mein Herr Bruder seine Version TeacherTool aus Versehen mit meinem Account gekauft hatte), habe ich dann gedacht: „Komm, gib ihm noch eine Chance“. Denn auf dem iPad sieht TeacherTool zumindest ein bisschen intuitiver aus als auf dem iPhone und es braucht auch ein paar Klicks weniger, um eine Note einzutragen.
Die Ersteinrichtung finde ich noch immer eine Qual und ich habe auch sofort einen Fehler gemacht (unsere Schule fährt das Doppelstundenmodell, wenn man TeacherTool aber sagt, Stunde 1 geht von 7:55 – 9:25 und ein Schüler fehlt in dieser ersten DOPPELstunde, dann ist das für TeacherTool nur EINE Stunde, weil es ja nicht weiß, dass es eine DOPPELstunde war. Damit stimmt dann am Ende des Schuljahres aber die Fehlstundenberechnung nicht und ich habe keine Lust, meinen kompletten Stundenplan NOCHMAL mit lauter EINZELSstunden einzugeben. Also lebe ich jetzt zunächst damit.) , aber jetzt habe ich alle Schüler sogar mit Foto drin und versuche, damit meine Noten zu machen. Mal schauen, ob ich dieses Mal länger durchhalte als nur bis zu den Herbstferien.
Doof ist jedenfalls, dass man Noten zwischen iPad und iPhone nicht synchronisieren kann. Es kann ja mal sein, dass man das iPad vergessen hat, aber das iPhone in der Tasche ist. Ja, man kann Daten von einem iPad auf ein iPhone ÜBERTRAGEN. Wenn ich das montags mache, dienstags neue Noten im iPad eintrage und mittwochs neue Noten im iPhone, dann kann ich die Daten nicht wieder zusammen führen. Das ist unbefriedigend, denn so ist klar: Entweder Noten auf dem iPad machen, ODER Noten auf dem iPhone machen. Abwechselnd ist nicht.
Notizen anfertigen
Ach, da suche ich ja auch wie ein Wilder nach der ultimatven Lösung. Lange Zeit sah Evernoteso aus, als sei es DIE App dafür. Verfügbar für Mac, iPhone und iPad, sogar über ein

Webfrontend zugänglich. Synchronisiert untereinander über „die Cloud“ und kann sogar Text auf abfotografierten Zetteln aus meinem „Fach im Lehrerzimmer“ erkennen – alles ganz fein. Blöd nur, dass Evernote eben innerhalb des Evernote-Universums synchronisiert und z.B. nicht in der Lage ist, Notizen, die ich mir zu einem Schüler in der Klasse X gemacht habe, auch gleich in meinen DropBox-Ordner zur Klasse X zu speichern – denn da sammle ich ja sonst auch alles, was Klasse X angeht. Das bequemen Syncen der Evernote-Notizen erkaufe ich mir also durch die Akzeptanz eines weiteren Dienstes, in dessen Hände ich meine Daten gebe. Davon abgesehen: Ich finde ja, dass Evernote auf dem iPad ausgesprochen hässlich aussieht. Fast so hässlich wie TeacherTool ;-)
Wörterbuch
Hier ist das iPad ungeschlagen. Ich „schleppe“ auf dem iPad nicht nur das „PONS Advanced Learner’s Dictionary“ mit mir rum, sondern auch das „Longman Dictionary of Contemporary English“ sowie diverse DUDEN Ausgaben („Deutsches Universalwörterbuch“, „Die deutsche Rechtschreibung“, „Fremdwörterbuch“ und „Synonymwörterbuch“). Das ist ganz großartig, denn so kann ich in Fällen von Wortnot und bei Schreibaufgaben in der Mittelstufe („Herr Dorok, was heißt ‚Wir haben unser Boot in den Fluß gekrant?‘ – Ja, das Wort gibt es tatsächlich im Deutschen!) jederzeit in verlässlichen Quellen nachschlagen. Punkt fürs iPad.
Unterrichtsverlaufsskizzen
Ja, so etwas nutze ich noch immer regelmäßig. Natürlich nicht so opulent, wie man es mich im Referendariat machen ließ und wie meine Referendare es bis zum großen Tag X auch heute noch tun müssen – aber die grobe Struktur dessen, was ich mir für 90 Minuten vorgenommen habe, habe ich recht häufig auf einem Zettel dabei. Hier habe ich den Versuch gestartet, auf „Omnioutliner“ umzusatteln. Waren die Verlaufsskizzen bisher einfache Worddokumente, die in der DropBox innerhalb der Ordnerstruktur Schuljahr -> Fach -> Klasse -> Unterrichtsreihe -> Sequenz/Stunde lagen, wollte ich auf Omnioutliner wechseln. Schließlich ist das Programm ja genau dafür gedacht.
Leider muss ich hier feststellen, dass ich entweder auf einen Sync verzichte (Omnioutliner synct auf dem iPad nicht mit der DropBox) oder ich wechsle auf Apples iCloud – die ja aber das schon oben kritisierte Modell „Jede App hat ihren eigenen Bereich für Daten“ nun auch auf den Mac bringen will. Das entsprciht nur einfach nicht meiner Arbeitsweise. Ich habe immer alle Verlaufspläne, Hörbeispiele, Arbeite- und Lösungsblätter, Folien, Scans, etc., die zu einer Unterrichtseinheit gehören in einem Ordner. Und nicht meine Hörbeispiele im Ordner „alle Hörbeispiele, die ich jemals gebraucht habe“ oder meine Unterrichtsskizzen im Ordner „alle Unterrichtsskizzen aller jemals gehaltenen Stunden, egal ob Englisch oder Musik“. Diese neue Arbeits- und Denkweise liegt mir nicht.
Eine Lösung für das Problem? Habe ich nicht.
Fazit
Ich versuche es. Noch ein einziges Mal. Wenn ich in den nächsten Wochen Lösungen für meine Probleme und offenen Baustellen finde. Wenn ich dahin komme, dass ich wirklich nur noch das iPad und sonst nichts (was ist eigentlich in Freistunden, in denen man wunderbar den Unterricht für den nächsten Tag planen kann? Arbeitsblatterstellung auf dem iPad? Bisher bin ich dann immer auf den Laptop ausgewichen. Der soll ja aber eigentlich zu Hause bleiben… :-/) mit in die Schule nehme: Klasse. Wenn nicht, dann bleibt das iPad zu Hause auf dem Sofa. Da ist es ja auch schön kuschelig.