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Literaturtipps?!

Hin und wieder erreichen mich Mails, die mich zunächst nur verwundert haben, inzwischen ärgere ich mich darüber. Absender dieser Mails sind in aller Regel Studenten oder Studentinnen oder Referendare oder Referendarinnen. In den Mails, häufig recht formlos, meist ohne vollständigen Namen und mit Mailadressen à la petravg@web.de geht es eigentlich immer um die gleiche Situation:

Ich schreibe gerade mein(e) Masterarbeit / Staatsarbeit / Referat und wenn ich im Internet nach dem Thema “Computer im Musikunterricht” / “Podcasting” / “Notationsprogramme”/ etc. suche, lande ich immer bei Dir. Kannst Du mir Literatur empfehlen, die ich lesen sollte, denn (d)eine Webseite kann ich ja nicht als seriöse Quelle für meine Arbeit angeben.

Früher fühlte ich mich geschmeichelt, schließlich wollte man hier meinen Rat. Gerne gab ich Titel von Büchern und/oder Aufsätzen weiter, damit der/die junge Forschende auf der Suche nach (Fach)Wissen weiter kommen mochte.

Faulheit oder Unvermögen?

Inzwischen nerven mich diese Anfragen. Denn was hier passiert ist in meinen Augen ein Ausdruck von Faulheit und Unvermögen, den ich im Umfeld des Lehrerberufs zunehmend wahrnehmen muss. Wenn ich selber zu faul bin, eine richtige Literaturrecherche für meine Arbeit oder meine Unterrichtsplanung anzustellen, lasse ich das mal den Typen da aus dem Internet für mich machen. Wenn ich nicht weiß, wie ich Bücher oder Zeitschriftenartikel zu bestimmten Themen bekomme – der Typ vom SchulmusikBlog schickt mir doch bestimmt etwas.

Gut gemeinter Rat

Liebe Studenten und Referendare, Recherche zu einem Thema heißt nicht unbedingt immer nur “die ersten drei Seiten bei Google durchklicken”. Manchmal lohnt sich tatsächlich ein Gang in die Bibliothek. Oder in die Landesbibliothek. Da kann man sogar online recherchieren. Und ja, es gibt tatsächlich Printerzeugnisse zu Themen wie “Podcast”. Und wenn die Bibliothek das Werk nicht vorrätig hat gibt es so etwas wie die “Fernleihe”. Zur Not einfach mal nach googlen ;-)

Lehrer müssen recherchieren können

Schlimm finde ich, dass diese Art von Anfragen häufig von Lehramtsstudenten bzw. -anwärtern kommen. Menschen also, zu deren Hauptaufgabe im Beruf es später gehören wird, sich ständig in neue Sachverhalte einzuarbeiten. Natürlich kann ein Lehrer/Referendar nicht alles und jedes in seinem Fachgebiet kennen. Aber ein Lehrer/Referendar muss in der Lage sein, sich selbstständig in neue Themen einzuarbeiten, herauszufiltern, was daran lernenswert ist und sich überlegen, wie das wohl vermittelt werden kann.

Und Anfragen wie die oben paraphrasierte deuten für mich darauf hin, dass da jemand dabei ist, Lehrer zu werden, der/die eben gerade dazu nicht in der Lage oder nicht Willens zu sein scheint.

Schade.

Konsequenz

Meine Konsequenz aus der Häufung solcherlei Anfragen ist dieser Artikel. Denn dann kann ich demnächst einfach nur noch mit einem Link auf diesen Beitrag antworten. Ich gebe allen Lesern hier gerne das, was in diesem Blog steht. Nehmt es, zitiert es, nutzt es. Für alle Fälle gibt es ja auch ein paar “echte” Publikationen von mir. Aber darüber hinaus bitte einfach selber mal aktiv werden. Ich bin nicht der Onkel Literaturbeschaffer.

[Bildquelle für das Titelbild – Wikimedia]
  1. Michael FrommOktober 15,14

    Danke. Du sprichst mir aus dem Herzen, aus der Seele, aus was-weiß-ich. Und nochmals: Danke.

  2. Michael HorberOktober 19,14

    Der Artikel macht leider zugleich nachdenklich, denn immerhin haben wir uns damals auch derart ausgetauscht.

    Bei gänzlich neuen Themen finde ich derartige Anfragen okay, den zumeist gibt es hier Max. 5 Publikationen, die dann häufig noch nicht fertig gestellt oder nicht frei verfügbar sind (z.B. Examens- oder Doktorarbeiten).

    Bei den von dir erwähnten Themen handelt es sich jedoch hingegen fast schon um Klassiker und da geb ich dir voll und ganz recht, dass hier jeder selbst mit ein wenig Mühe schnell auf die passende Literatur stoßen sollte.

    LG

    • SebastianOktober 19,14

      Ja, “damals”, da war das ja auch alles noch neu und, wie Du schon sagst, gar nicht so viel dazu zu finden. Inzwischen ist das aber klar anders. Wenn es um etwas ganz Neues geht (so wie z.B. Podcasting damals, 2008 oder so ;-)), ist das sicherlich in Ordnung. Aber gerade die Frage nach Printartikeln z.B. zu Podcasting und Computer im MU ist ja hier auf meinem Blog mit nur einem einzigen Klick beantwortet…

      Dazu kommt halt auch immer die Art und Weise der Anfrage. Ich weiß nicht, wie Du damals gefragt hast, aber die Anfragen à la “Hi, ich bin die Kathi und ich würde gerne mal wissen, was ich so lesen soll, tschüssiiii” nehmen derzeit wirklich zu. Und ich finde, dass das keine Art ist, wie man an Fremde herantreten sollte, von denen man etwas MÖCHTE. Auch nicht im Internet.

  3. Michael FrommOktober 30,14

    gerade reingekommen – ohne Anrede, ohne Gruß:

    “haben sie mir einen Tip, wo ich schnell und günstig eine mehrstimmige Version des cupsongs für eine fünfte Klasse herbekommen kann. Brauche es allerdings schon am Dienstag..”

    Ich bin es so leid!

  4. Michael HorberOktober 30,14

    Ihr seit einfach zu bekannt :-)

    Art und Weise der Ansprache sind sicherlich das A und O. Zugleich das Geben und Nehmen und da gebe ich dir voll und ganz recht: Viele haben diese Grundregeln leider verlernt!

    Schön ist aber zugleich, dass auch das einmal auf den Punkt gebracht wird und damit eine, zugleich auch kleine, Diskussion angeregt wird.

    LG

  5. SebastianOktober 31,14

    Und, Herr Kollege? Schon was eingereicht in Sachen “Cup Song” für Chor, oder muss ich das wieder für Sie übernehmen?! *g*

    Cup Song vierstimmig, guckst Du:
    http://musescore.com/user/134247/scores/141249